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Interview: Die Kunst des Gastgebens / The Art of Hosting

For the English version of the Interview, please scroll down.

Hospitality – Die Kunst des Gastgebens

Christine Friedreich ist Inhaberin und Geschäftsführerin von Friedreich Hospitality. Gemeinsam mit ihrem Team trägt sie tatkräftig dazu bei, viennacontemporary zu einem hochkarätigen internationalen Kunstereignis zu machen. Mit uns spricht sie über die Kunst des Gastgebens und ihre eindrücklichsten Erfahrungen auf diesem Gebiet.

Christine Friedreich bei viennacontemporary. Alle Fotocredits: viennacontemporary/ Friedreich Hospitality

viennacontemporaryMag: Du hast im März 2019 mit deinem Team eine hochkarätige Hochzeit in Mumbai betreut. Wie kommt man zu einem solchen Auftrag?

Christine Friedreich: Zuvor hatte ich gemeinsam mit unseren Partnern zwei aufwendige, indische Hochzeiten in Wien durch ein Hospitality-Konzept begleitet und kannte mich inzwischen ein wenig mit den Wünschen und Erwartungen der indischen Kundschaft aus. Es ist ein ganz anderer Kulturkreis und eine indische Hochzeit hat mit einer österreichischen Zeremonie erstmal wenig zu tun. Beispielsweise dauern Hochzeiten dort schnell mal eine Woche, die Braut zieht sich so oft um, wie Madonna auf einem Konzert und gleich mehrere Dörfer sind eingeladen. Es wurden in Mumbai insgesamt 20.000 Gäste an drei Tagen bewirtet. 4.500 Service-Mitarbeiter waren im Einsatz. Ein Dinner mit 5.000 Gästen in einer Halle ist definitiv eine organisatorische Herausforderung, denn alle möchten sitzen. Wenn dieses Dinner einer „Michelin Star“ Experience gleichen soll, steigen die Anforderungen noch mal um einiges. Das Brautpaar war letztendlich sehr zufrieden und dankbar darüber, was wir ermöglicht haben. Alle haben sich wohlgefühlt. Und darum geht es beim Gastgeben und Hospitality auch.

viennacontemporaryMag: Das hört sich nach einem intensiven Erlebnis an. Was bedeutet es für dich, eine gute Gastgeberin zu sein?

Friedreich: Sind die Gäste glücklich, bin ich es auch und das ist mein Lohn der Arbeit. Als Hospitality-Managerin bin ich selber nicht die Gastgeberin, sondern unterstütze und berate die Gastgebenden – meine Klienten – bei der Planung und Ausführung eines Ereignisses. Beim Gastgeben geht es aber nicht immer um einen Event. Wir sind täglich Gastgeber – unseren Mitarbeitern gegenüber, unseren Geschäftspartnern und ganz klassisch für unsere Gäste in Tourismus und Hotellerie. Ein auf den Kunden zugeschnittenes Konzept geht dieser Arbeit immer voraus, bei dem wir in das Unternehmen eintauchen, es verstehen lernen und dann schließlich individuelle Handlungs- und Umsetzungsempfehlungen geben. Dies beginnt beispielsweise bereits bei der Frage nach der Art der Einladung: per E-Mail oder doch lieber hochwertiges Papier mit Prägung? Beides ist möglich. Es kommt immer auf den Anlass an und was man ausdrücken will. Dabei muss es nicht zwangsläufig teuer oder ein luxuriöses Event sein, um Glücksmomente zu schaffen. Es darf aber gleichzeitig nicht so wirken, als ob der Gastgeber an dieser Stelle spart. Er muss einen besonderen Moment teilen wollen. Das spürt der Gast. So ein Event ist zum Beispiel ein wertvolles Extra zur Kundenbindung für ein Unternehmen. Denn schöne Erinnerungen an ein gemeinsames Erlebnis wirken noch Jahre nach. Für private Feiern andererseits ist es nicht wichtig, das größte und spektakulärste Buffet anzubieten, sondern lieber weniger Speisen, dafür aber qualitativ hochwertig und von Herzen kommend. Ich als Gastgeberin gebe hier viel von mir preis und teile es gerne mit den Gästen.

viennacontemporaryMag: Du begleitest viennacontemporary bereits seit neun Jahren, nächstes Jahr wird es ein runder Geburtstag, ein kleiner Blick hinter die Kulissen?

Friedreich: Da gibt es viel zu erzählen, aber von Beginn an. viennacontemporary war mein erster Klient und wir sind quasi gemeinsam gewachsen. Ich startete damit, Galerien für die neu übernommene Messe zu überzeugen und habe einmal auch das VIP-Programm geleitet. Ein wenig das Mädchen für alles in den ersten Jahren. Dann konnte ich das Management von meiner Vision der Hospitality überzeugen und man ließ mich machen. Dafür bin ich sehr dankbar und habe seitdem viel dazu gelernt und viel zur Weiterentwicklung beitragen können. Auch über das Gastgeben. Gute Gastgeber sind neugierig und nie ganz zufrieden. Wir lernen immer dazu und wachsen mit den Herausforderungen, werden stetig effizienter.

Christine Friedreich mit viennacontemporary-Vorstandsvorsitzendem Dmitry Aksenov. Friedreich begleitet die Kunstmesse seit nunmehr neun Jahren. Foto: © viennacontemporary/Friedreich Hospitality

viennacontemporaryMag: So wie mit der Corona-Pandemie, die bestimmt einiges auf den Kopf gestellt hat. Was waren die prägendsten Herausforderungen während der Arbeit für viennacontemporary 2020?

Friedreich: Es gibt wohl niemanden, der oder die nicht über eine andere und komplexere Arbeitsweise zu berichten hätte. Alle Bereiche sind durch die Pandemie beeinflusst. Vor allem Veranstaltungen, wo Menschen zusammenkommen. Wir mussten uns alle umstellen. Dieses Jahr mussten wir aus Sicherheitsgründen fast alle Events auf der Messe absagen, nur ganz kleine Gruppen waren erlaubt, unter Einhaltung strenger Hygieneregeln. Aber auch das ist so machbar, dass der Gast eine schöne Zeit haben kann. Eine andere Herausforderung war die Ungewissheit in der Planung. Die Arbeit von Monaten konnte sich von heute auf morgen in Luft auflösen. Planungssicherheit ist eigentlich essenziell für eine Großveranstaltung mit vielen internationalen Gästen. Wir haben mit Porzellan jongliert und es ist uns erstaunlich gut gelungen, nichts zu Bruch gehen zu lassen. Dies ist auch unseren Partnern und Sponsoren zu verdanken, die an unsere gemeinsame Sache geglaubt und das gesamte Team tatkräftig unterstützt haben.

viennacontemporaryMag: Werden digitale Events bald das analoge Ereignis ersetzen?

Friedreich: Das Digitale ist immer wichtiger geworden, das hat uns spätestens Corona gezeigt. Wenn eine Veranstaltung abgesagt wird, bestehen viele Möglichkeiten der digitalen Erweiterung, wie das Streaming und das digitale Aufbereiten von Informationen. Es ist eine wichtige Ergänzung und hat in vielerlei Hinsicht auch Vorteile, beispielsweise indem ich Leute in den hintersten Ecken der Welt erreiche. Wir Menschen sind aber gesellige Individuen und wollen uns bei einem guten Glas Wein austauschen und gemeinsame Erinnerungen teilen. Das schafft das digitale Angebot nicht. Menschen interessieren sich für Menschen. Deswegen wird es immer Momente des Zusammenkommens geben, die digital nicht dasselbe in uns auslösen können.

“Menschen interessieren sich für Menschen. Deswegen wird es immer Momente des Zusammenkommens geben, die digital nicht dasselbe in uns auslösen können.” Foto: © viennacontemporary/Friedreich Hospitality

Zur letzten Frage: Was ist Hospitality für Dich?

Friedreich: Hospitality ist für mich das entscheidende Kriterium, das es ausmacht, ob ich mich wo wohlfühle und wiederkomme. Hospitality Maßnahmen tragen dazu bei, dass man in Erinnerung bleibt. Denn das entscheidende Ziel ist die Zufriedenheit des Kunden und eine positive Erfahrung entlang der gesamten Customer Journey. Und diese ist nur dann erreicht, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht. Dabei spielen stets die kleinen Details, die Wohlfühlatmosphäre und der gepflegte Umgang eine wichtige Rolle.

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INTERVIEW: Hospitality – The Art of Hosting

Christine Friedreich, Owner and Managing Director of Friedreich Hospitality, helped viennacontemporary to grow into the high-profile international art event it is today. She talks to us about the art of hosting and her most memorable experiences. 

Christine Friedreich at viennacontemporary. All photo credits: viennacontemporary/ Friedreich Hospitality

viennacontemporaryMag: In March 2019, you were hired to co-design and deliver a luxury wedding in Mumbai. How does one get a job like this? 

Christine Friedreich: Before that we, together with our partners, had already developed a hospitality concept for two elaborate Indian weddings in Vienna, so I already had some familiarity with the wishes and expectations of Indian customers. It is a very different culture, and an Indian wedding has little in common with Austrian ceremonies. Indian weddings can easily last a week, the bride changes as often as Madonna at one of her concerts, and entire villages are invited to the event. We entertained a total of 20,000 guests over the course of three days. 4,500 service staff were on duty. Hosting a dinner with 5,000 guests in a hall is an organizational challenge because everyone wants to be seated and well treated. If the dinner is to resemble a “Michelin Star” experience, the requirements are even higher. The bride and groom were ultimately very happy and grateful for what we made possible. Everyone felt at home – that’s what hosting and hospitality are all about.

viennacontemporaryMag: It certainly sounds an intense experience. What does it mean to you to be a good host? 

Friedreich: If the guests are happy, so am I. That is the reward for my hard work. As hospitality manager, I myself am not the host, but I support and advise the hosts – my clients – in the planning and delivery of an event. This work is always preceded by developing a concept tailored to the customer. But hosting is not always about an event. We are hosts every day – to our employees, to our business partners and, quite classically, to our guests in tourism and the hotel industry. We immerse ourselves in the company, learn to understand it, and in the end, give individual recommendations for action and implementation. This begins, for example, with the question of the type of invitation: email, or would you rather use high-quality paper with embossing? Both are possible. It always depends on the occasion and what you want to express. You don’t need an expensive or luxurious event to create moments of happiness. At the same time, however, it must not appear as if the host is saving money on the event. He or she must want to share a special moment – the guests feel this. Such an event is a valuable company tool for customer loyalty because beautiful memories of a shared experience will last for years. At private celebrations, it is not important to offer the most spectacular and biggest buffet – less food, but high quality and served with love, goes a long way. As a host, I reveal a lot about myself and like to share it with the guests.

viennacontemporaryMag: You have been accompanying viennacontemporary for nine years, which means that 2021 is a big birthday.

Friedreich: Yes, viennacontemporary was my first client and since then we have grown together. I started by winning galleries for the then new fair and later managed the VIP program … I was a bit of a “jack of all trades”. Then I was able to convince the management of my vision of hospitality and they just let me do it. I am very grateful for this and have since learned a lot and been able to contribute a lot to the further development of the fair. Good hosts are curious and never entirely satisfied. We learn and grow with each challenge and become more and more efficient. 

Christine Friedreich with Dmitry Aksenov, Chairman of the Board of viennacontemporary. Friedreich has been accompanying viennacontemporary for nine years. Photo: © viennacontemporary/Friedreich Hospitality

viennacontemporaryMag: The Covid-19 pandemic has turned everything upside down. What were the biggest challenges when working on viennacontemporary 2020? 

Friedreich: There is probably no one whose working life has not been subject to change and difficulties during this time. All areas are affected by the pandemic, especially events where people come together. We have all had to adjust. This year, we had to cancel almost all events at the fair for safety reasons. Only very small groups were allowed to meet under strict hygiene rules. But even under these circumstances you can create an amazing atmosphere for your guests. Another challenge was the uncertainty that accompanied the planning process. The work of months could have vanished into thin air overnight. Planning security is essential for a large event with many international guests. We were juggling with porcelain – and, surprisingly, we succeeded in not breaking anything. The thanks here also goes out to our partners and sponsors, who believed in our common cause and actively supported me and the entire team.

viennacontemporaryMag: Will digital events soon replace physical ones?

Friedreich: The digital sphere has become more and more powerful as Corona has shown us. If an event has to be canceled, there are many options for digital extensions, such as streaming and digital presentation of information. It is an important addition and has many advantages, for example, that of reaching people in the far corners of the world. But humans are social individuals and want to exchange ideas over a glass of good wine and to share memories. The digital sphere cannot offer that. People care about people. That is why happenings in the digital sphere will never elicit the same emotions as moments of coming together in the real world.

“People care about people. That is why happenings in the digital sphere will never elicit the same emotions as moments of coming together in the real world.” Photo: © viennacontemporary/Friedreich Hospitality

viennacontemporaryMag: One last question: what is hospitality for you? 

Friedreich: For me, hospitality is the decisive criterion that determines whether I feel comfortable somewhere and come back. Hospitality measures contribute to being remembered. The ultimate goal is customer satisfaction and a positive experience along the entire customer journey. That is achieved only if the focus is on people. For this, things like the attention to detail, feel-good factor and good manners play a crucial role.

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